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28. März 2020 - Wilhelmshaven

Zeit wird für Klausuren nicht reichen

Schule geht auch von zu Hause – zumindest in Teilen. Das zeigt aktuell die Cäcilienschule. Aber die Probleme werden von Tag zu Tag größer.

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WILHELMSHAVEN. Am Montag beginnen die Osterferien – die richtigen. Zwar sind die Schulen wegen des Coronavirus’ bereits seit dem 16. März geschlossen und die Schüler dementsprechend zu Hause, doch die Beine hochlegen konnten sie deshalb nicht. Andreas Stückemann ist pädagogischer Koordinator an der Cäcilienschule und erklärt, wie sich der „Schulalltag“ seit dem 16. März gestaltet.

Zunächst einmal, so betont der Pädagoge, sei die Cäcilienschule auch während der aktuellen Schließung grundsätzlich besetzt und damit erreichbar. „Ein Mitglied der Schulleitung ist immer vor Ort, dazu Mitarbeiter im Sekretariat und andere Kollegen.“ Stückemann ist selbst Teil der Schulleitung – zudem einer von zwei Beratungslehrern.

Seit dem 17. März werden die Schüler zu Hause digital mit Aufgaben versorgt. „Jeder ist verpflichtet, täglich auf unserem hausinternen Server nachzusehen, was in den jeweiligen Lerngruppen zu machen ist“, sagt Stückemann. „Die Schüler schicken dann ihre Bearbeitungen innerhalb einer festgesetzten Frist zurück und bekommen von den Fachlehrern entsprechende Rückmeldungen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, vor allem technischer Natur, klappt das sehr gut.“

Dieses Prinzip funktioniere allerdings nur in der jetzigen Form – bei Hausaufgaben zu bereits gelerntem Stoff. „Es dürfte schwierig werden, auf diesem Weg auch neue Inhalte zu vermitteln“, fürchtet der Lehrer. Schon deshalb kämen die jetzigen Osterferien gerade recht. „Sollten die Schulschließungen aber über den 20. April hinausgehen, sehe ich ein echtes Problem!“

Dass es in diesem Jahr keine Abiturienten an der Cäcilienschule gebe, sei „Glück im Unglück“. Trotzdem gebe es natürlich in allen Jahrgangsstufen Staus bei den Arbeiten. „Je länger die Schließung dauert, desto schwieriger wird es. Schon jetzt werden wir es in der Fülle nicht mehr hinbekommen. Es dürfen in jeder Klasse höchstens drei Arbeiten pro Woche geschrieben werden.“

Als „richtig schade“ bewertet Stückemann, dass neben dem üblichen Unterricht jetzt auch viele Projekte, darunter Musical- und Theaterproduktionen, ausgebremst wurden. „Alle Beteiligten waren hier mit sehr viel Engagement bei der Sache. Nun können die einzelnen Projekte vermutlich nicht zu Ende gebracht und aufgeführt werden.“

Eine Notfallbetreuung in der Schule sei bislang nicht notwendig gewesen. „Es gab keine Nachfrage“, sagt Stückemann. Auch in seiner Funktion als Beratungslehrer sei er in den vergangenen Wochen nicht häufiger angesprochen als im „normalen“ Schulalltag. Allerdings könne er da nur für sich sprechen, denn es gebe mit Stefanie Raapke noch eine zweite Beratungslehrerin. Darüber hinaus stünden mit Schulseelsorgerin Ute O’Rourke und Pastor Stefan Stalling in diesen Wochen extra zwei weitere Ansprechpartner zur Verfügung. „Wir müssen einfach schauen, was kommt.“

Um das aktuelle Stimmungsbild der Schüler festzuhalten, hat Stückemann sie aufgefordert, ihre Eindrücke in Texten zu formulieren, denn der Pädagoge ist auch mitverantwortlich für das Jahrbuch der Cäcilienschule. „Ich denke, unsere Schüler können aus dieser Zeit bestimmt interessante Geschichten erzählen, die dann zusammengefasst gedruckt werden.“

Am 16. April, vier Tage vor der aktuell angedachten Öffnung, werde es eine digitale Dienstbesprechung des Kollegiums geben, in der gegebenenfalls über die Maßnahmen bei einer Verlängerung der Schließung gesprochen wird, auch über den schlimmsten Falle – kein Unterricht mehr bis zu den Sommerferien. „Das ist eine historisch einmalige Situation, in der wir uns auf alle Möglichkeiten einstellen müssen. Aber die Gesundheit steht an erster Stelle!“

Wilhelmshavener Zeitung, 28.03.2020