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Bericht meiner Zeit in  Antwerpen, Belgien

Von Pauline von Katte
08.01.2007


Meine ersten Tage

Angekommen bin ich hier in Belgien, in Antwerpen, Ende August, an einem schönen Sommertag. Da meine  Gastfamilie noch im Urlaub war, habe ich die erste Woche bei meiner Counsellorin Karin Dehennin, ihrem Mann und drei kleinen süßen Kindern verbracht, die zwischen 8 und 12 Jahre alt waren. Ich wurde erwartet am späten Nachmittag und herzlichst empfangen vom Präsidenten von meinem Rotaryclub, anderen Rotariern und natürlich von der Familie. Da ich im flämischen Teil von Belgien gelandet bin und ich noch kein Wort Flämisch sprechen konnte, haben alle freundlicherweise auf Englisch mit mir gesprochen, da sie mir am ersten Tag, der doch der aufregendste ist, noch nicht zumuten wollten, schon gleich im Flämischen sich mit mir zu unterhalten. Am frühen Abend haben wir dann zusammen ein Abendessen vorbereitet, was doch, was man vielleicht nicht vermutet, da ich doch eigentlich gar nicht so weit weg bin, anders für mich war. Es gab Pommes Frites, die in der super modernen Küche in einer Friteuse, die neben dem Herd eingebaut war, frittiert wurden. Später stellte sich dann heraus, dass er ganz normal ist, dass jeder Haushalt in Belgien eine Frittiermaschine hat. Dazu gab es ein köstliches Beefsteak, welches nur kurz angebraten wurde, sodass man eigentlich beinahe rohes Fleisch aß. Dies ist das Nationalgericht von Belgien! Mir hat es sehr lecker geschmeckt!

Spät abends wurde mir mein Zimmer gezeigt, in dem ich eine Woche schlafen durfte, selbst mit eigenem Badezimmer und Küche, da dies das Zimmer von dem Kindermädchen war, die zurzeit Urlaub hatte. Meine Mahlzeiten musste ich mir allerdings nicht selbst kochen, was man vielleicht fälschlicherweise deuten könnte.
In den nächsten Tagen bin ich, wenn ich nicht mit den Kindern auf dem Trampolin gespielt habe, worauf das kleine Mädchen immer sehr viel Lust hatte, auf meinem ersten Treffen mit allen anderen Austauschschülern in Brüssel gewesen! Dort haben wir uns den Königspalast und das Parlament von Belgien angeschaut! Der Tag hat mir sehr viel Spaß gebracht, da ich sehr viele neue Menschen aus der ganzen Welt kennen gelernt habe! Alle sind sehr offen gewesen und wir sind aufeinander zugegangen, als würden wir uns schon lange kennen! Dies war eine ganz neue Erfahrung für mich, da ich noch nie in einer Gruppe gewesen bin, die so offen und hemmungslos mit einander umgegangen ist! Es wurden Visitenkarten und die begehrten Anstecknadeln ausgetauscht, welche am Ende des Tages beinahe mein ganzes Rotaryjacket bedeckten, und jeder hat mit jedem ein kleines Wörtchen ausgetauscht! Ein super toller Tag!


Mein erster Schultag

Am ersten Freitag meiner Woche war mein erster Schultag. Dieser begann um halb neun Uhr morgens, sodass ich mit meinem Fahrrad gegen kurz nach acht, nach einer kurzen Wegbeschreibung von Karin, losgedüst bin. Da ich mich in der Umgebung noch nicht so gut auskannte, habe ich mich auch gleich verfahren, doch schließlich noch rechtzeitig die Schule gefunden. Da ich eigentlich keinen blassen Schimmer hatte, wohin ich gehen musste, habe ich das Sekretariat gesucht, wobei ich bestimmt einmal die ganze Schule umrundet habe. Im Sekretariat habe ich versucht zu erklären, dass ich ein neues Mädchen an dieser Schule bin, die aus Deutschland kommt. Nach einigen Minuten war es dann klar wer ich bin und ich wurde auf den Schulhof geschickt, wo ich gerade noch rechtzeitig zur Klassenaufteilung kam. Ich wurde der sechsten Klasse zugewiesen, die in Deutschland der zwölften Klasse Oberstufe entspricht. Da ich in Deutschland eigentlich in meinem elften Jahr sitze, war ich etwas irritiert, doch froh, in diese Klasse gekommen zu sein, da mich ein paar Mädchen gleich ansprachen und mich mit in ihre Clique aufnahmen! Doch blieb es unklar, ob ich nun in der richtigen Klasse war oder nicht, laut Schulleiter sollte ich in dieser Klasse bleiben, doch laut anderer Lehrer saß ich in der falschen Klasse. Dies war ein komisches Gefühl für mich, da anscheinend keiner so recht wusste, wo ich eigentlich hingehörte. Also hab ich die ersten 2 Wochen in der sechsten Klasse verbracht, bis es auf einmal hie?, dass ich doch besser in die fünfte Klasse passen würde. Ich fand dies erst sehr schade, da ich mich so gut mit meinen neuen Freunden verstand. Im Endeffekt war es dann so, dass für mich ein extra Stundenplan erstellt wurde, basiert auf meinen Kenntnissen in den verschiedenen Fächern! So folge ich nun Unterricht in der fünften und in der sechsten Klasse. Dies kann nicht besser für mich sein, da ich so noch mit meinen Freunden in der sechsten Klasse zusammen bin, ich aber gleichzeitig auch schnell Freunde in der fünften Klasse gefunden habe! Jeder wollte mich kennen lernen und so habe ich sehr schnell viele Freunde aus verschiedenen Klassen gefunden!


Meine erste Gastfamilie

Nach einer Woche Aufenthalt, wurde ich von meiner ersten Gastmutter und Schwester abgeholt, es ging mit dem Auto in Richtung Borgerhout, einem Stadtteil von Antwerpen! Auch hier wurde ich sehr herzlich empfangen, es gab ein leckeres Abendessen, danach wurde mir das Haus gezeigt und die Alarmanlage erklärt, die hier nötig ist, weil schon mehrere Male eingebrochen wurde. Das Haus liegt direkt am Park und ist recht groß, allerdings eher in die Höhe als in die Breite gehend. Mein Zimmer liegt im vorletzten Stockwerk und ist recht geräumig, ich habe sogar ein Doppelbett für mich allein. Ich habe mich etwas eingerichtet und bin dann abends gegen 11 Uhr ziemlich müde in meine Kissen gefallen.

Ich habe mich hier sehr gut eingelebt und fühle mich wohl, ich komme sehr gut mit meiner Gastfamilie aus! Mein Gastvater, Leon, arbeitet in Brüssel an einer Bank und ist meistens bis spät abends weg. Meine Gastmutter, Mercedes arbeitet an manchen Tagen, nach einem komplizierten Prinzip, welches ich noch nicht ganz verstanden habe. Wenn ich von der Schule nach Hause komme, dann mache ich meistens meine Hausaufgaben, sowie Aurélie, meiner Gastschwester, die in ihrem letzten Schuljahr ist! Da die Schule hier immer bis ca.4 oder 5 Uhr dauert, bleibt gar nicht so viel Zeit, um noch viel anderes zu machen! Doch dazu noch später. Da meine Noten wichtig sind für meine weitere schulische Laufbahn, sind alle sehr bemüht, dass ich gute Noten schreibe, und helfen mir, wenn ich etwas nicht verstehe.


Die Schule

Zur Schule fahre ich jeden morgen mit dem Fahrrad, mit einer Freundin, die ein paar Straßen weiter wohnt. Die Schule beginnt um halb neun Uhr morgens und je nach Tag habe ich 7 oder 8 Stunden Unterricht außer mittwochs, da endet die Schule um 12 Uhr. Mittags ist eine Stunde Pause, in der man eine Suppe, oder ein anderes Getränk zu sich nehmen kann und in einer recht modernen Pausenhalle mit Musik und Sitzbänken mit Kissen relaxen kann, oder noch schnell das ein oder andere lernen kann.
Nach 2 Monaten finde ich es nicht mehr schwer, dem Unterricht zu folgen. Ich verfolge alles allein, und mache meine Notizen in Niederländisch und schreibe alle Tests mit. Von den meisten werde ich als sehr schlau angesehen:), weil ich die Sprache nach recht kurzer Zeit schon ziemlich gut verstand und meine Noten auch nicht die schlechtesten sind! Hier werden allerdings nicht so wie in Deutschland, große Arbeiten geschrieben, hier werden immer kleine Tests geschrieben, ca. 5 per Woche über einzelne Themen, die großen Arbeiten sind dann im Dezember. Diese werden Examen genannt und sind doch recht schwer. Die letzten 2 Wochen vor den Weihnachtsferien heißt es dann, richtig zu pauken. In dieser Zeit ist auch keine Schule, da ein Examen, je nach Fach, ca. 2-4 Stunden geschrieben wird. Danach darf man nach Hause gehen und sich auf den nächsten Tag und das nächste Examen vorbereiten.
Ich musste allerdings zum Glück nicht in jedem Fach ein Examen ablegen, da für mich Fächer wie Psychologie oder Kulturwissenschaften doch noch zu schwer sein sollten, da ich am Anfang nicht recht viel mitbekommen hab, wegen noch zu schlechten Sprachkenntnissen. Ein Examen befasst alle Themen von einem halben Schuljahr. So hatte ich doch noch etwas mehr Zeit als die anderen, um mich ordentlich vorzubereiten. Für mich sind so große Examen doch ungewohnt gewesen, und ich musste mich durchbeißen!


Meine Freizeit

An den Wochenenden gehe ich mit meiner Gastschwester Reiten, meistens am Sonntag. Freitag abends sind hier meistens verschiedene Parties, zu denen ich mit meinen Freunden von der Schule gehe. Dies ist immer lustig und macht nach einer anstrengenden Schulwoche viel Spaß. Manchmal treffen wir uns auch einfach nur, um in der Stadt abends etwas zu trinken und Geschichten zu erzählen. Dann treffe ich mich auch mit anderen Austauschschülern, um gemeinsam zum Beispiel in Liège nachmittags in einem Stammcafé ein Bierchen zu trinken und Erfahrungen auszutauschen oder einfach nur ein bisschen zu feiern. Dies ist meistens mittwochs, da wir dann nur bis 12 Uhr Schule haben.  Doch da Liège mit dem Zug in nur 2 Stunden erreichbar ist und ich es auch wichtig finde, viel mit den Belgiern zu unternehmen, bin ich nicht so oft dort. Es macht allerdings sehr viel Spaß, etwas mit anderen Austauschschülern zu unternehmen, weil man immer wieder neue Menschen kennen lernt, auch von anderen Organisationen und man merkt, wie viele Menschen man selbst von Rotary noch gar nicht gesehen hat und noch kennen lernen muss.

Manchmal werden auch Treffen organisiert, um gemeinsam etwas zu unternehmen. So sind wir das letzte Mal, mit allenn die Lesse abgepaddelt, was sehr viel Spaß machte, jedoch für die meisten mit einem deftigen Schnupfen oder Ähnlichem endete, da eine Paddeltour ohne einer ordentlichen Wasserschlacht am Anfang, doch keine echt Paddeltour sein kann. So saß ich ca. 6 Stunden ohne Pause, von oben bis unten nass, mit einem Argentinier in einem Boot und wir haben uns durchgekämpft, sind an vielen vorbei gepaddelt und hatten Spaß.

Im September bin ich mit Aurélie und einem Mädchen aus Italien, die bei uns in der Straße wohnt, auf einem Konzert von Keane in Brüssel gewesen, welches uns allen sehr gut gefallen hat. Die Stimmung war super gut, das Konzert beinnahe ausverkauft. 2 Tage später bin ich mit meiner Familie auf einem anderen Konzert gewesen, hier in Antwerpen, welches jedes Jahr statt findet. “Night of the Proms” ist der Name und sehr begehrt, da immer verschiedene Gruppen und Sänger auftreten, so haben dieses Jahr John Miles, die Gruppe “Texas”, Ike Turner, Tony Henry oder die Gruppe “Tears for Fears” gesungen.


Weihnachten

Weihnachten habe ich mit meiner Gastfamilie in Brügge verbracht, bei den Eltern von Leon, bei denen sich jedes Jahr die ganze Familie trifft. Es ist Tradition, dass jeder etwas Kleines vorbringen muss, wie zum Beispiel ein Gedicht, und danach seine Geschenke bekommt. Danach gibt es ein großen Festessen, was aus mehreren Gängen besteht und den ganzen Abend dauert. Man sitzt zusammen, lacht und erzählt, und nebenbei wird gegessen. Zur Kirche wird in dieser Familie nicht gegangen, was ich doch etwas schade fand. An Weihnachten gar nicht zu Hause zu sein, ist schon ein komisches Gefühl, allerdings war es interessant, mitzuerleben, wie andere feiern und ich habe nicht ein großes Gefühl von Heimweh empfunden, da ich so beschäftigt war, zu erzählen und zuzuhören, oder Karten zu spielen.


Meine Reise mit meiner Gastfamilie

Nach Weihnachten bin ich mit meiner Gastfamilie nach Frankreich, zu einem Skigebiet im Süden gefahren, um dort für eine Woche Ski fahren zu können. Diese Zeit ging sehr schnell vorbei, wir standen den ganzen Tag auf der Piste, es fiel ordentlich Schnee, sodass man sich manchmal durch den Schneesturm kämpfen musste, der im Gesicht weh tat, dafür gab es aber auch sonnige Tage, mit herrlichem Neuschnee, auf dem es sich super und einfach die Piste hinunter sausen ließ! Ich habe im Nachmittag noch Skiunterricht genommen, um meine Skikünste zu perfektionieren, da ich zuvor erst zwei Tage auf Skiern stand. So stand ich jeden Tag bis 5 Uhr auf meinen Skiern, und bin abends, nachdem Aurélie und ich uns manchmal noch in einem kleinen gemütlichen Pub einen Vin Chaud, oder Ähnlichem gegönnt haben, richtig müde schlafen gegangen, um dann am nächsten Morgen wieder um Punkt acht Uhr aufzustehen, zu frühstücken und den Skianzug anzuziehen, da der Skipass bis ins äußerste ausgenutzt werden musste. Eine tolle Woche!


Mein Wohlbefinden

Ich kann nur sagen, dass mich bis jetzt noch keine allzu großer Heimweh plagte. Natürlich denkt man an zu Hause und wäre auch manchmal gern zu Hause, doch größtenteils genieße ich meine Zeit hier und kann auch anderen wärmstens empfehlen, auch ein Jahr im Ausland zu verbringen! Eine Erfahrung, die unvergesslich ist!


Ich danke Rotary sehr, und allen, die mich hierbei unterstützten.